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Exotic Hedghog Club Europe e.V.

Der Igel als Kuscheltier ?!?

Der afrikanische Weißbauchigel als “Kuscheltier”?!

In letzter Zeit scheint sich ein deutlicher Hype zu entwickeln, Weißbauchigel in den verschiedensten Positionen eingekuschelt zu fotografieren oder zu filmen.

Ob im Pullover oder in einer Decke auf dem Arm, der Igel wird gekrault und bekuschelt. Leider scheint es auch derzeit Gang und Gebe zu sein, die Igel zu kostümieren, ob Deko um den Bauch gebunden oder um den Hals.

Im ersten Moment sehen sie toll und süss aus. Leider schaut man aber nicht hinter die Kulissen. Wie es dem Igel in dieser Situation geht, er womöglich gestresst ist oder sich unwohl fühlt. Daher wollen wir vom EHCE e.V. euch einfach einmal deutlich machen:
Weißbauchigel sind keine Kuscheltiere! 

Immer öfter wird der afrikanische Weißbauchigel als schmusebedürftiges Tier dargestellt oder verniedlicht. Das finden wir so nicht richtig.

Uns ist wichtig, dass ein Weißbauchigel einfach mal Igel sein darf! Das heißt, dass sie natürlich artgerecht gehalten werden, das ist die Grundvoraussetzung. Es bedeutet aber auch, den Tieren ihre Freiräume zu lassen. Jeder Weißbauchigel hat seinen eigenen Charakter und seinen eigenen Willen. Es gibt Igel die sehr scheu und zurückhaltend sind , oder auch neugierige und aufgeschlossene Exemplare. Doch jeder ist einzigartig und sollte je nach seinem Charakter auch so akzeptiert werden. Dazu gehört, dass er sich frei im Auslauf und Terrarium bewegen darf, ohne ständig “betuttelt” zu werden. Dass man sich tolle Ideen einfallen lässt, um den Igel zu beschäftigen, sei es eine Wühlkiste oder aufgeschnittene (!) Klorollen. Man kann sich auch einfach dazusetzten und die Tiere beobachten und vielleicht ist der ein oder andere Igel neugierig und kommt aus freien Stücken zum Beobachter.

Zudem sollte ein Igel niemals kostümiert werden (etwas an ihm befestigen oder feststecken/kleben), dabei können sie deutlich gestresst werden oder sich im schlimmsten Fall sogar verletzten! 

Wir haben auch besonders bei Neuankömmlingen in der Igelhaltung festgestellt, wie die Bilder und Videos auf sie wirken. Sie sehen solche Kuschelbilder und sind total fasziniert wie „zahm“ die Igel sind -was eine gewisse Erwartung an das zukünftige Tier weckt. Es wird regelrecht vom Züchter ein „zahmes Igelchen“ verlangt. Doch die Züchter im Verein versuchen bereits so gut es geht Aufklärungsarbeit zu leisten und klar zu machen, dass es in dieser Form definitiv nicht erwartet werden kann und sollte. Ein guter Züchter kümmert sich darum, dass der Igel an Menschenhand gewöhnt ist, trotzdem kann er den Charakter nicht beeinflussen und möchte den Igel zu nichts zwingen. Leider ist es schon öfter vorgekommen, dass dann Jungtiere total verängstigt und vernachlässigt wieder zum Züchter zurück kamen, da der Igel für den Halter uninteressant wurde, weil er nicht so „zahm“ wie die anderen Igel auf den Bilder war.

Daher bitten wir euch einmal mehr auf euren Igel als Ursprungstier einzugehen und möglichst nicht stundenlang mit ihm auf dem Sofa zu kuscheln oder ihn ständig zu “bekuscheln” – und vor allem nicht ständig diese Bilder zu posten, die dieses Bild vom zahmen Kuscheligel als solchen streuen.

Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel und natürlich wissen auch wir, dass es durchaus zahme und auch “verschmuste” Exemplare geben kann. Wir wünschen uns lediglich, dass dies nicht zum Standardbild des Heimigels mutiert.

Schaut doch einfach mal bei euch: Was kann ich tun, damit mein Igel „Igel“ bleibt.
Dieser Artikel soll keinen persönlich angreifen oder beleidigen, sondern lediglich zum nachdenken anregen und ein artgerechtes Verhalten dem Igel gegenüber unterstützen.

Verena Simon i.A EHCE e.V.